Die 4b hatte im Geschichte-Unterricht einen besonderen Gast. Elisabeth Schipek erzählt seit Juni 2025 als Zeitzeugin an Schulen über ihr Leben und das Schicksal ihrer Familie, die von der NS-Verfolgung bedroht war.
Elisabeth (Betsy) Claudia Schipek (geb. Strom) wurde 1943 in Rio de Janeiro in eine Familie mit jüdischen und katholischen Wurzeln geboren, die aus der ehemaligen Tschechoslowakei und der heutigen Ukraine nach Wien gezogen war.
Elisabeths Eltern Helene Louise (geb. Pelc) und Albert Strom lernten sich in einem Englisch-Konversationsklub in Wien kennen, zogen 1935 nach St. Pölten und heirateten dort evangelisch. Elisabeths Vater war 1930 aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten und zum evangelischen Glauben übergetreten; ihre Mutter konvertierte anlässlich der Hochzeit ebenfalls.
Flucht über Hamburg nach Brasilien
Im Mai 1938 wurde Elisabeths Bruder Peter geboren. Im Juli gelang mit dem Neugeborenen die Flucht per Bahn nach Hamburg und von dort per Schiff nach Brasilien – die Überfahrt dauerte fünf Wochen. 1943 wurde Elisabeth geboren, die stets „Betsy“ genannt wurde. Ihr Vater war beruflich erfolgreich und gründete nach dem Krieg mit Freunden ein deutschsprachiges Theater. Im Club Austro-Brasileiro, dem Treffpunkt der Exil-Community, betreute Elisabeths Mutter die Bibliothek.
1958 kehrte die Familie nach Wien zurück. Elisabeth besuchte die Modeschule Hetzendorf, heiratete und bekam zwei Söhne. Ihr Vater konnte in Wien nicht mehr Fuß fassen; die Eltern kehrten nach Rio zurück.
Wir bedanken uns für den Besuch an unserer Schule!
